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Sendung vom 12.05.2005
Faulheit (und die Folgen)

Alle reden von Arbeit. Sozialkunde-Lehrer Müntefering und Sommers Gewerkschaftskasper wollen noch mehr Leute arbeiten schicken. Andere politische Wellenreiter und ihre Arbeitgeber aus dem gleichnamigen Verband meinen dagegen, dass jetzt wieder mindestens 40 Stunden in der Woche gearbeitet werden muss, damit ... Ja, warum eigentlich?

Heute ist vom Klassenkampf als der grossen Bewegung zur Emanzipation der Arbeit nicht mehr viel zu merken und vermutlich wird es auch dabei bleiben. Dies könnte auch an der schlichten Tatsache liegen, dass es heute nicht mehr vordergründig um die Befreiung der Arbeit geht, sondern eher um die Befreiung von Arbeit, um eine Wiederbelebung des "Rechts auf Faulheit", das von Paul Lafargue bereits vor 120 Jahren als Gegenthese zum "Recht auf Faulheit" formuliert wurde. Die Helden von heute wären demnach nicht mehr die "Helden der Arbeit", sondern die "Helden der Nichtarbeit", "die Glücklichen Arbeitslosen" und wie sich die Arbeits- und Compliance-Verweigerer noch so nennen.

Ihnen und ihrem Tun ist unsere heutige Sendung gewidment. Die Dissidentenfunkredaktion geht anläßlich ihrer 10. Sendung gleich mit gutem Beispiel voran, und hält sich, damit genug Zeit zum Feiern bleibt, heute mit eigenen Beiträgen zurück und läßt die Kollegen von Radio Dreyeckland eine gute Hälfte der Sendung mit zwei Beiträgen zum Thema Arbeit und Faulheit bestreiten.

Beiträge in dieser Sendung:

"Zwerge rappen gegen die Arbeit. Schneewittchen und ihre Arbeitszwerge - ein modernes Märchen" (Radio Dreyeckland Freiburg)

"Die Entdeckung der Faulheit" -- Besprechung des Buches von Corinne Maier (Radio Dreyeckland Freiburg)

Verhungert in Hamburg -- "Betreuerin" veranlasste Stopp der Sozialhilfe, um Kontaktaufnahme zu erzwingen

Ambulante Zwangsbehandlung -- Live-Interview mit René Talbot zu den neuesten Entwicklungen in Bremen

01 Intro 01:26 Audio
02 (Musik) Ton Steine Scherben: Macht kaputt, was euch kaputt macht/Einheitsfrontlied 06:02
03 Einleitung 01:15 Audio
04 (Musik) Ammonia: Arbeit ist Scheisse 02:56
05 Schneewittchens Arbeitszwerge 20:52 Audio Text
06 Jingle/Ansage 00:18
07 (Musik) Überflüssig: Weil ich faul bin 01:46
08 "Die Entdeckung der Faulheit" von Corinne Maier 07:19 Audio
09 (Musik) Machtkampf: Ich kann 03:34
10 Erpressung mit Todesfolge 03:43 Audio Text
11 (Musik) Saurer Regen: Nur ein Versuch 02:38 Text
12 Einführung der ambulante Zwangsbehandlung in Bremen geplatzt? 06:40 Audio
13 Outro 00:35
14 (Musik) Ton Steine Scherben: Feierabend 03:08
Intro
Länge 01:26
... unter Verwendung eines musikalischen Zitates aus dem "Dschungelbuch" und eines markanten Gitarrenanschlags aus dem folgenden Song "Macht kaputt, was euch kaputt macht". ;)
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(Musik) Ton Steine Scherben: Macht kaputt, was euch kaputt macht/Einheitsfrontlied
Länge 06:02

Diese Aufnahme erschien 1971 auf der Langspielplatte "Warum geht es mir so dreckig?"

www.riolyrics.de schreibt dazu:
Dieser Song wurde erst für das Theaterstück des Hoffmanns Comic Teaters "Rita & Paul" geschrieben. Der Text von Norbert Krause, wurde von einem frühen Song von Rio inspiriert. Er wiederum wurde durch Bob Dylans "Subterranean Homesick Blues" inspiriert. Der Text dort lautete: "bombs are falling, tanks are rolling, soldiers dying, men are crying...". Ich glaube, die Parallelen sind nicht zu übersehen. Dieser Song erschien im Juni 1970 das erste Mal auf Single.

Das "Einheitsfrontlied" kommt auf bei dieser Aufnahme im Anschluß an "Macht kaputt, was euch kaputt macht" und ist ein deutsches Kampflied, das schon 1934 von Bertolt Brecht (Worte) und Hanns Eisler (Melodie) geschrieben wurde. Rios "Refrain" ist im Original aber die 3. Strophe, die 1. stimmt überein, die Strophe mit dem Prolet ist die 4. Strophe. Ausgelassen hat er die 2. Strophe.

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Einleitung
Länge 01:15
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(Musik) Ammonia: Arbeit ist Scheisse
Länge 02:56
Weitere Informationen und mehr Musik von Ammonia auf mp3.de
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Schneewittchens Arbeitszwerge
Autorin: Birgit/Radio Dreyeckland
Länge 20:52

Im Februar rappten sieben Arbeitszwerge durch die Freiburger Innenstadt. Ihre arbeitskritische Performance richtete sich nicht nur gegen die Hartzreformen, sondern stellte die Arbeitsgesellschaft allgemein in Frage - ganz gegen die Natur des Gartenzwergs, der Deutschen liebstes Arbeits-Sinnbild. Ihr hört die Raps, einen Kommentar und die arbeitskritische Interpretation des Zwergenmärchens.

Eine Produktion von Radio Dreyeckland Freiburg

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Der Anlass der Sendung ist eine arbeitskritische Performance gegen die Hartzreformen, und gegen die liebe Arbeit selbst: Im Februar rappten sieben Arbeitszwerge durch die Freiburger Innenstadt und brachten arbeitskritische Lieder und Flugschriften unter die Bevölkerung. In der nächsten halben Stunde geht es um folgende Fragen:

  • Warum rappen sieben Arbeitszwerge durch die Innenstadt?
  • Was will kritisches Straßentheater?
  • Ist ein Leben jenseits der Arbeit ein Märchen?
  • Und was ist aus Schneewittchens Arbeitszwergen geworden? Weshalb drängt sich heute eine arbeitskritische Interpretation des Märchens auf?

Dazwischen hören wir ein paar Musikstücke der Arbeitszwerge. Also an die "Arbeit" und viel Spaß!

Musik

Die Aktion

Die sieben Arbeitszwerge marschierten also mit solchen Musikstücken rappend durch den Stadtteil Stühlinger und über den Markt. Sie spielten synchron Motive aus der Arbeitswelt nach und sie stellten ebenfalls ihre Abneigung gegen die Arbeitsmühle dar, indem sie Textmotive pantomimisch aufgriffen. Die Zwerge fuhren per Straßenbahn zu weiteren Orten und führten die Performance in den Straßenbahnwägen und auf Plätzen und Straßen auf. Die Resonanz war positiv. Der kritische Bezug auf Hartz ist offensichtlich ein Mainstream-Thema, das breit akzeptiert ist - auch wenn viele anderer Meinung sind. Natürlich lag die ungewohnte Zustimmung auch am theaterhaften Auftritt. Allerdings waren die Arbeitszwerge zu surreal für beliebige Werbeträger, die den Absatz der Flugblätter erhöhen sollen. Sie waren irre. Es waren Arbeitszwerge gegen die Arbeit - und das wirkte etwas verstörend und weckte mehr Neugierde, als dies mit dröger "Inhaltsarbeit" möglich wäre.

Musik

Tu was, Taugenichts! -- Ein Kommentar

[...]

Musik

Sie leben noch heute, die sieben Zwerge. Ein Arbeitsmärchen

"Es war einmal mitten im Winter, und die Schneeflocken fielen wie Federn vom Himmel herab." - So begann, vor vielen Wintern, das Märchen von Schneewittchen und den sieben Zwergen. Schneewittchen floh vor der Stiefmutter zu den sieben Zwergen und lebte mit ihnen. Die böse Stiefmutter wollte sie vom Jäger ermorden lassen, und später wollte sie sie vergiften. Am Ende wird Schneewittchen von einem Königsohn gerettet - "und ihre Hochzeit ward mit großer Pracht und Herrlichkeit angeordnet."

Die Zwerge sind nicht gestorben und leben noch heute. Sie gingen nach der Geschichte mit Schneewittchen weiter ins Bergwerk und hackten nach Erz. Irgendwann fuhren sie in einem Gleiswagen in den Stollen, später bedienten sie Schaufelradbagger, legten das Erz auf Förderbänder und dann wurde die Anlage digital gesteuert. Drei Zwerge verließen das Bergwerk, weil ihre Arbeit von den Maschinen übernommen war. Schließlich schloss die Zeche, weil sie nicht mehr rentabel war.

In der Stadt führten die Zwerge ihr Arbeitsleben einzeln fort. Manchmal trieben sie im Strom der Fußgängerzone aneinander vorbei und hielten an. Dann redeten sie über die Zeit, als sie noch in ihrem Häuschen beim Bergwerk lebten und Schneewittchen bei ihnen war. Immer sprachen sie von der Vergangenheit und sie seufzten dabei. Sie arbeiteten lange Jahre und blickten immer weiter zurück. Sie wurden unglücklicher und wussten nicht, weshalb. Dann fand der erste keine neue Arbeit mehr und bald ein zweiter. Noch nie hatten sie auch nur einen Tag nicht gearbeitet. Bald fanden sie neue Jobs, bald wieder keine - und wurden noch unglücklicher.

So vergingen weitere Winter und der Schnee fiel wie Federn vom Himmel herab, bis ein Zwerg, der Soziologe geworden war, einmal alle anderen Zwerge aufsuchte und ihre Geschichten aufschrieb. Das kam so:

Schon immer hatte sich Zwerg 1 für gesellschaftliche Fragen interessiert und begonnen, abends Veranstaltungen an der Universität zu besuchen. Schließlich schrieb er sich ein, machte den Magister der Soziologie und durfte anschließend ein Seminar pro Semester halten. Sein übriges Geld verdiente er mit Landschaftgartenjobs. Als er einmal mit seinem Institutsleiter über Projektanträge sann, schlug ihm sein Professor vor, etwas über Zwerge im Arbeitsleben zu machen. Über das Arbeitsleben arbeite er sowieso immer und Zwerge seien doch der Hit. Die Minderheitenbeauftragte des Bundes gab dem Antrag für eine Erhebung sofort statt und Zwerg 1 konnte zum ersten Mal einfach forschen. Er suchte die alten Kollegen auf.

Zwerg 2 fand er mittags mit einer Bierflasche in einem abgeschabten Sessel vor dem Fernseher. Bald redeten sie von alten Zeiten, als sie noch mit Schneewittchen ... und so weiter. Zwerg 2 hatte als Werkzeugmacher gearbeitet, bis in den Fabriken die Jobs knapp wurden. Dann war er auf den Bau gegangen, bis die Jobs auch dort knapp wurden. Schließlich hatte er nichts mehr gefunden und nicht weiter gewusst. Eine Weile reinigte er als Ein-Euro-Jobber Parkwege. Sein Leben verlor seinen Sinn. Sein Zorn gilt den über 1,80 Meter großen Menschen, die die Arbeitsplätze wegnehmen. Zwerg 1 schrieb alles auf und ging schnell weiter.

Zwerg 3 arbeitete als Schuster, bis sich der Betrieb nicht mehr lohnte. Die Billigschuhe haben den Markt überschwemmt, die kauft man und wirft sie nach einem halben Jahr wieder weg, klagt er. Jetzt muss er selbst Billigschuhe verkaufen, bei Deichmann. Auf Dauer fand er es hart, die ganze Zeit im Laden zu stehen, und dann kann man zuhause gerade die laufenden Kosten bezahlen. Besonders schwer fällt ihm die permanente Wartestellung, in der er sich befinden muss. Sogar wenn nichts los ist, muss man stehen. Immer die gleichen Schuhe, die gleichen Wände - so ein Laden wird zum Gefängnis. Aber was will man machen?

Zwerg 4 hat eigentlich keine Zeit. Er hat seinen Traumjob als Redakteur einer Gartenzeitschrift in Offenburg bekommen. Aber jetzt arbeitet er zehn Stunden am Tag und dann noch zwei Stunden pendeln. Sobald er zuhause ist, will die Familie noch etwas von ihm haben. Ab 22 Uhr ist er todmüde. Trotzdem kommt ein Treffen zustande und sie reden über alte Zeiten. Diese Kollegialität, sagt Zwerg 4, die wir früher hatten, die gibt es heute nicht mehr. Ist mir auch recht, ich finde das cooler, jeder macht halt sein Ding und den Rest im Team.

Zwerg 5 sitzt vor seinem Bauwagen. Als er keine Jobs mehr fand, ist er ausgestiegen. Wenn die mich nicht wollen, will ich auch nicht, dachte er. Auf dem Arbeitsamt war es gleich. Schikanen hatten ihm nie gefallen, und die gab es dort mehr als Jobs und Geld. Eine Ich-AG scheiterte kläglich und mit Schulden. Also hat er alles hingeschmissen. Jetzt bastelt er den ganzen Tag an seinem Wagen herum und ist damit beschäftigt, einen Stellplatz zu finden, Wasser oder Gas zu besorgen und etwas Geld mit Schwarzjobs zu verdienen. Eine Krankenversicherung hat er auch nicht mehr, dafür eine Neigung zu Rheuma und die Schneeflocken fallen wie Federn vom Himmel. "Bist du glücklich mit deiner Unabhängigkeit?", fragt Zwerg 1. "Früher ging es mir besser," antwortet Zwerg 5, "im Häuschen mit euch".

Zwerg 6 empfängt Zwerg 1 in der Mittagspause in einer Espressobar. Er macht Werbespots und sein Job geht zehn Stunden am Tag - und manchmal die ganze Nacht durch. Kreativjobs ticken nicht nach der Stechuhr. Er macht Werbung für Fluglinien, Tankstellen, Billigschmuck, Plastikspielzeug. Zwerg 1 hasst Werbung, und fragt, welchen Sinn Zwerg 6 in seiner Arbeit sieht. Eigentlich ist das alles Ramsch für was ich werbe, sagt Zwerg 6. Niemand braucht es, und die Werbung nervt die Leute nur. Das alles verstehe, wer will. Aber der Job ist wahnsinnig spannend, es ist jedes Mal wieder ein Wunder, wenn so ein Spot aus einem Chaos von Ideen, Technik und Leuten fertig wird. Es ist eine Droge.

Zwerg 7 trägt eine Zwergenmütze. Heute ist er in die alten Klamotten gestiegen und hat eine Performance gegen die Arbeit in der Innenstadt mit gemacht. Gegen die Arbeit - das ist gegen seine Herkunft, gegen seine alte Identität. Ist er verrückt geworden? Nein, sagt er, es hatte damit begonnen, dass er sich gegen Rassismus und Sozialabbau engagierte. Dann hat er seinen Autoverkäuferjob immer weiter reduziert. Seit Jahren kümmert sich lieber um die Kinder oder engagiert sich für den Abenteuerspielplatz im Stadtteil. Die normale Arbeit wurde ihm immer lästiger. Er schmiss sie hin, beantragte Arbeitslosengeld und definierte seine anderen Tätigkeiten als Arbeit. Er hat viel gelesen und die Arbeit schließlich vollständig verworfen, weil sie die Tätigkeit ist, die der kapitalistischen Produktion entspricht. Mit sinnvoller Aktivität oder Bedürfnisbefriedigung hat sie nur zufällig zu tun. Und was war die glücklichste Zeit? Die muss man sich nehmen! Oder wir haben sie noch vor uns - wer weiß?

Musik

Eine Produktion von Radio Dreyeckland Freiburg: www.rdl.de
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(Musik) Überflüssig: Weil ich faul bin
Länge 01:46
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"Die Entdeckung der Faulheit" von Corinne Maier
Autorinnen: Anke und Tobias/RadioDreyeckland/Morgenradio
Länge 07:19

Die Veröffentlichung ihres Buches "Die Entdeckung der Faulheit" ("Bonjour Paresse" im französischen Originaltitel) brachte der Autorin Corinne Maier dreierlei ein: Eine Menge Schlagzeilen, einen Platz auf der Bestseller-Liste sowie die Empörung ihres Arbeitgebers. Der hatte auf ihre Aufforderung, so wenig wie möglich zu arbeiten, mit Sanktionsmaßnahmen gedroht.

Eher Polemik als tief greifende politische Analyse, zerpflückt das Buch die Institution "Unternehmen" und ruft die Angestellten zur inneren Kündigung auf.

Eine Produktion von Radio Dreyeckland Freiburg

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(Musik) Machtkampf: Ich kann
Länge 03:34
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Erpressung mit Todesfolge
Autor: Jan Groth
Länge 03:43
Weil eine Frau in Hamburg den Kontakt zu ihrer gesetzlichen Betreuerin verweigerte, liess diese kurzerhand die Auszahlung der Sozialhilfe einstellen. Nach 3 Monaten wurde die Frau tot in ihrer Wohnung gefunden – sie war verhungert! Die Bundesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Erfahrener hat Strafanzeige gestellt.
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Über Schikanen und Zwangsmaßnahmen im Zusammenhang mit Arbeitslosengeld und Sozialhilfe ist gerade in der letzten Zeit viel geredet worden. Es gibt aber eine Gruppe von Menschen, die noch zusätzlichem Druck ausgesetzt sind, weil sie unter gesetzlicher Betreuung stehen. Eine gesetzliche Betreuung wird vom Staat für Menschen eingerichtet, die selbst oder nach Ansicht der Behörden nicht in der Lage sind, sich ausreichend um ihre eigenen Belange zu kümmern. Zwar schreibt das zugehörige Betreuungsrecht eindeutig vor, dass der vom Staat bestellte Betreuer immer und ausschließlich zum Wohle des Betreuten zu handeln hat. Dieser Grundsatz wird aber häufig schon bei der Betreuerbestellung fallen gelassen, nämlich immer dann, wenn sie gegen den ausdrücklichen Willen des Betreuten eingerichtet wird. Die auf diese Weise entmündigten Menschen, müssen sich so einiges von ihren Betreuern gefallen lassen, wenn sie nicht Gefahr laufen wollen, mit Zwangsmaßnahmen, wie Einweisung in die Psychiatrie oder Entzug der finanziellen Mittel zur Gestaltung eines halbwegs selbstbestimmten Lebens konfrontiert zu werden.

Daß sogenannte Betreuer zur Erzwingung der „Zusammenarbeit“ im wahrsten Sinn des Wortes sogar über Leichen gehen, zeigt ein tragischer Todesfall in Hamburg. Dort wurde am 1. Dezember 2004 letzten Jahres eine 40jährige Frau tot in ihrer Wohnung aufgefunden. Als Todesursache wurde durch die ermittelnde Polizei „Tod durch Verhungern“ festgestellt.

Später stellte sich folgendes heraus: Die Frau stand seit 1999 unter gesetzlicher Betreuung. Die Betreuerin hatte unter anderem die Zuständigkeit für die Bereiche Vermögen und ambulante Versorgung. Bei ihrer letzten Vorsprache im Sozialamt am 13. August 2004 wurde der Frau mitgeteilt, daß ihr nur noch für August Sozialhilfe ausgezahlt würde, weil die Betreuerin das Sozialamt angewiesen habe, solange keine Sozialhilfe an die Betroffene auszuzahlen, bis diese den seit längerer Zeit verweigerten Kontakt mit ihr wieder aufnähme.

3 Monate später, am 11. November 2004, wandte sich das zuständige Sozialamt an die Betreuerin mit der Frage, ob die Auszahlung der Sozialhilfe wieder aufgenommen werden solle. Erst zu diesem Zeitpunkt hielt es die Betreuerin für nötig, sich nach dem Verbleib ihrer Klientin zu erkundigen, die sie seit August nicht mehr gesehen hatte. Nachdem die Kontaktaufnahme erfolglos geblieben war, stellte sie am 25. November eine Vermisstenanzeige, woraufhin die Frau am 1. Dezember 2004 von der Polizei tot in ihrer Wohnung aufgefunden wurde.

Um sicherzustellen, dass dieser Akt betreuerischer Willkür nicht ohne Folgen bleibt, hat der Berliner Rechtsanwalt Alexander Paetow am 27.4.05 im Namen der Bundesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Erfahrener bei der Staatsanwaltschaft Hamburg Anzeige gegen Unbekannt wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen und versuchter Nötigung gestellt. Paetow argumentiert, dass durch ein rechtzeitiges Einschreiten der Betreuerin der Hungertod hätte vermieden werden können und dies Bestandteil ihrer Aufgaben als gesetzliche Betreuerin gewesen sei. Außerdem sehe das Betreuungsrecht zwar einen persönlichen Umgang zwischen Betreuer und Betreuten vor, allerdings habe der Gesetzgeber mit gutem Grund verzichtet, Betreuer mit irgendwelchen Zwangsbefugnissen zur Erzwingung des Kontakts auszustatten, weil dies unvereinbar mit der Menschenwürde und dem allgemeinen Persönlchkeitsrecht sei. Das Verhalten der Betreuerin zielte jedoch darauf ab, die Betreute durch Aushungern zu einer persönlichen Kontaktaufnahme zu zwingen.

Der Dissidentenfunk wird die Entwicklungen in diesem Fall weiter beobachten und gegebenenfalls in den nächsten Sendungen darüber berichten. Aktuelle Informationen dazu finden Sie im Internet unter www.psychiatrie-erfahrene.de.

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(Musik) Saurer Regen: Nur ein Versuch
Länge 02:38
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Schlafen, aufstehen, weiterfressen,
Wohlbefinden, irreal,
Leben spüren ein letztes Mal.

Dann stehst du da,
Weißt nicht wohin,
Ziehst mit dem Strom
Und verlierst den Sinn,
Dein Denken, deine Kraft.
Später, schon zu spät
Merkst du, was geschah,
Versuchst zu retten,
Was noch da.
Doch wofür?
Für das letzte Jahr
Für den letzten Tag.


Versuch doch einmal
Die Augen nicht zu verschließen.
Versuch doch einmal aufzuschau'n
Um zu sagen: Nein, ohne mich!
Dann stehst du da
Weißt, wie das Leben ist.
Dass es heißt, seinen Weg zu gehen,
Nicht hinterherzulaufen. Nicht mit-,
Sondern den Weg zu gehen
Auf dem du das tust, was du willst,
Um am Ende sagen zu können:

Versuch doch einmal
Die Augen nicht zu verschließen.
Versuch doch einmal aufzuschau'n
Um zu sagen: Nein, ohne mich!
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Einführung der ambulante Zwangsbehandlung in Bremen geplatzt?
Fragen: Jan Groth
Länge 06:40

Telefon-Interview mit René Talbot zu den neuesten Entwicklungen im Zusammenhang mit der geplanten Einführung der ambulanten Zwangsbehandlung in Bremen.

René berichtet unter anderem von der Veranstaltung "Ambulante Zwangsbehandlung – Präventiver Massregelvollzug", die am gestrigen 11. Mai 2005 in Bremen stattfand und auf dem durch einen maßgeblichen SPD-Politiker versichert wurde, dass die beanstandeten Paragraphen, die die ambulante Zwangsbehandlung ermöglichen sollten, nun doch wieder aus dem Gesetzentwurf entfernt werden. Damit hatten die Proteste einen durchschlagenden Erfolg.

Aktuelle Informationen zum Thema finden Sie unter www.die-bpe.de

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