Antipsychiatrie ... Teil III

Um es kurz zu machen: Selbstverständlich haben die Libertären recht , dass nur gesellschaftliche Veränderung zum Ziel führt. Dafür gibt es viele gute Gründe:

  1. Zunächst einmal sollte niemand je die Dynamik der Machtausübung unterschätzen. Thomas Szasz sagt zurecht: Niemand erobert die Macht, um eine Revolution zu machen, sondern Revolutionen werden gemacht, um die Macht zu erobern. Gleichzeitig mit der Eroberung der Macht verwandelt sich das revolutionäre Ziel in puren Machterhalt, wenn die revolutionären Ziele durch Gewalt, statt durch den politischen Willen einer gesellschaftlichen Mehrheit erreicht worden sein sollten.
  2. ist es schon logisch ein Fehler mit Gewalt Gewaltfreiheit herzustellen, so ist es genauso unsinnig, wenn Menschenrechte durch Menschenrechtsverletzungen durchgesetzt werden sollten. Das gilt trotz aller revolutionären Ungeduld, die Machtverhältnisse auf die Probe zu stellen, was so oft blutig bezahlt wurde
  3. gesellschaftliche Verhältnisse sind Ausdruck der gesamten Kultur- und Lebensform menschlicher Kollektive, darunter die ganze sprachliche und begriffliche Topographie, sowie religiöse Überzeugungen, Mythen und Tabus. Die rechtlich gewaltförmigen Verhältnisse sind auch bei Berücksichtigung ihrer Bedeutung für die Ökonomie und das Produktionssystem letztendlich nur Ableitung, Überbau, Derivat bzw. Ausschnitt der gesellschaftlichen Verhältnisse. Kurz gesagt: mögen die Eigentumsverhältnisse, die Rechtliche Verfügungsgewalt über Produktionsmittel, zwar in vielem ein Quäntchen Bedeutung haben, so sind sie aber ganz sicher nur ein Ausschnitt von Kultur, Sprache, Geschichte und Eigensinn von Populationen.
    Wer also z.B. aus Psychiatriekritik eine moralischen Frage an Pharmaproduzenten machen will, ist auf einem ökonomistischen Holzweg und kann dem System kein wirklicher Gegner sein, drischt er doch nur auf die Früchte statt die Wurzeln dieses Systems ein.

Gesendet am 08.09.2005 im Dissidentenfunk (www.dissidentenfunk.de)

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