Antipsychiatrie ... Teil VI

Kann das Thema "Antipsychiatrie und die Linken" zusammengefaßt werden? Ja! Zwar muss linke Politik nicht nur Anti-Zwangspsychiatrie sein, aber ohne Anti-Zwangspsychiatrie ist alle linke Politik Trug und nichts.
In diesem Sinne hoffen wir, daß bei der Vereinigung zu einer Linkspartei der folgende Antrag beim Bundesparteitag der WASG zum Programm wird:

Antrag der Bezirksgruppe Lichtenberg-Hohenschönhausen / Marzahn-Hellersdorf beim Bundesparteitag der WASG.

Für ein selbst bestimmtes Leben - gegen die gesetzliche Entrechtung in der Psychiatrie

Der radikalste und brutalste Ausdruck von Diskriminierung ist die gesetzlich legitimierte Aussetzung von Grund- und Menschenrechten für eine spezifische Gruppe. Besonders dann, wenn diese Gruppe von außen ideologisch und willkürlich definiert wird. Auch in Deutschland gibt es so eine Gruppe: die so genannten "psychisch Kranken".

Damit der Entzug von Menschenrechten in einer Demokratie unbemerkt bleibt, werden die Zwangsmaßnahmen beschönigt. Auch wer keine Straftat begangen hat, kann sich folgenden Repressionen ausgesetzt sehen:

Freiheitsberaubung
Eindeutig diagnostizierbar körperlich Kranke können sich jederzeit aus einem Krankenhaus selbst entlassen (Ausnahme Seuchengesetz). Dagegen dürfen Personen, bei denen psychische Krankheit unterstellt wird, angeblich "zu ihrem eigenen Wohl" (gegen ihren Willen) und/oder "zum Schutz der Allgemeinheit" (verleumderische Kriminalisierung) in ein "Krankenhaus" (Gefängnis) "zwangseingewiesen" (inhaftiert) werden.

Folter
Körperlich Kranke dürfen eine Behandlung ablehnen, selbst wenn dies zu ihrem Tod führt. Psychisch krank definierten Menschen dürfen dagegen zwangsweise "Medikamente" (bewusstseinsverändernde Drogen, wie z.B. Haldol) und Elektroschocks verabreicht werden. Sie dürfen sogar gegen ihren Willen "fixiert" (ans Bett gefesselt) werden. Selbst wenn diese Methoden nicht unmittelbar angewandt werden sollten, ist die Drohung damit allgegenwärtig.

Zwangsentmündigung
Unter Umständen müssen für psychisch krank Befundene eine so genannte "Einsichtsfähigkeit und die Fähigkeit nach dieser Einsicht zu handeln" beweisen. D.h., sie müssen die ärztliche Ansicht teilen, sich entmündigen zu lassen. Teilen die Betroffenen diese Ansicht nicht, beweisen sie damit eine angebliche Einsichtsunfähigkeit und werden genauso entmündigt. Im Neudeutschen wird eine solche Zwangsentmündigung "Betreuung" genannt.

Die Androhung von Folter durch die Polizei selbst an Schwerverbrechern zur erhofften Rettung von Menschenleben wird in einem Rechtsstaat nicht akzeptiert. Noch erschreckender ist, dass all diese Vorfälle außerhalb des geltenden Rechtes geschahen, während die gleichen menschenunwürdigen Behandlungsmethoden für so genannte psychisch Kranke breitenwirksam gesetzlich geregelt sind. Der Rechtsstaat verdreht sich in sein Gegenteil, indem er in der Zwangspsychiatrie die Misshandlung durch Körperverletzung und Freiheitsberaubung legalisiert.

Geschehen kann dies im Rahmen einer Ideologie, die mit scheinwissenschaftlichen Methoden eine Gruppe von Menschen zunächst willkürlich definiert, anschließend als unnormal verleumdet, um sie letztendlich von den Menschenrechten auszuschließen. Lesben und Schwule wurden von der Weltgesundheitsorganisation erst 1981 von der Liste der Geisteskranken gestrichen. Letzteres unterstreicht die Willkürlichkeit, mit der Menschen als psychisch krank eingestuft werden. Bereits der Vorgang einer unter Zwang durchgeführten angeblich medizinischen Diagnose führt zu rufmörderischen Bezeichnungen wie "Schizophrene", "Psychopath" usw., die als pseudo-wissenschaftlicher Vorwand zur brachialen Entrechtung verwendet werden.

Die WASG-Berlin fordert deshalb:
Keine Parallelgesellschaft in der Psychiatrie: Abschaffung aller gesetzlichen Sonder-Regelungen, die in Bundes- oder Ländergesetzen psychiatrische Zwangsdiagnosen, Zwangseinweisungen, Zwangsbehandlungen und Zwangsentmündigungen ("Betreuung") legalisieren. Ausschließlich die oder der Betroffene selbst darf ihre/seine Entrechtung legitimieren.


Gesendet am 08.09.2005 im Dissidentenfunk (www.dissidentenfunk.de)

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