Psychiater schlagen Alarm

Offensichtlich sind die Verteidiger der Zwangspsychiatrie durch die erfolgreicher Abwehr der ambulanten Zwangsbehandlung, den Sieg von Vera Stein beim Europäischen Gerichtshof und die Empfehlung des nationalen Ethikrats, die unsere Forderung voll unterstützt, schwer in die Defensive geraten.

Anders ist nicht zu erklären, wie diesen Sommer eine mediale Propagandawelle in Szene gesetzt wurde. Davon, nur als Kostprobe, Zitate aus 3 Zeitungsberichten:

Am 3. Juli gibt die BZ unter dem Titel: "Wenn einem so Irren begegnen - Tipps vom Psychiater Werner Platz." Natürlich nichts als dämonisierende Lügenpropaganda. In Berlin gäbe es allein 34.000 Schizophrene, die fünf Mal häufiger aggressiv seien, im Vergleich zu Gesunden. Das Ganze gipfelt in der üblichen Anleitung zur Denunziation beim psychiatrischen Blockwart. Zitat: "Frage: Wenn der Nachbar spinnt, sich über Tage immer seltsamer verhält, wie der Kettensägemann?" Antwort von Platz: "Nicht nur die Polizei anrufen, sondern auch die Sozialpsychiatrischen Dienst und die Gefahr deutlich machen! Die entscheiden dann über ein Einweisung.

Der 2. Artikel:
Am 25. Juli kündigt die Berliner Morgenpost auf Seite 1 einen Artikel unter dem Titel: "Psychiater schlagen Alarm!" an. Die Behandlung angeblich psychisch Kranker seien nach Einschätzung der Fachärzte gefährdet - kein Geld sei da. Kein Wunder, sollen sie sich doch laut dem Text 70% mehr Fälle seit 1997 zugeschanzt haben. Auf einen Psychiater kämen 20.000 Patienten. Um mehr Geld aus dem System zu pressen, ist der Präsident der deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde, Prof. Fritz Hohagen doch tatsächlich so unverschämt, in dem Artikel unverhohlen mit mehr Klinikeinweisungen zu drohen. So offen seine Gefangenen zu Geiseln einer Erpressung von mehr Geld aus der Krankenkassen zu machen, ist schon eine so dreiste Nummer, dass die Verzweifelung bei den Psychiatern groß sein muß.

Der 3. Zeitungsartkel - wir steigern uns im Renommé der Zeitungen - erscheint am 8. August in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung:
Eine halbe Seite lang schwadronniert der Autor Rainer Flühl unter dem Titel: "Verirrungen, Verwirrungen" über das, was Zitat: "in der deutschen Psychiatrie im Argen liegt." Die Psychiater drohen mit stärkerer Stigmatisierung - sicher ein Erfolg ihrer zynischen Anti-Stigma Kampagne - durch eine Zwei-Klassen-Psychiatrie. Einer zunehmenden Zahl von Psychiatern scheint es unbehaglich in ihrem Kerkersystem mit Folterregime geworden zu sein, haben sich doch laut dem Klagelied des Psychiaterpräsis, Prof. Hohagen, immer mehr Kollegen von ihm in der Psychosomatik angesiedelt, die keine geschlossene Abteilungen kennt und nur mit "informed consent" ihre Kundschaft bequascht und behandelt. Der Arbeitskreis der Chefärztinnen und Chefärzte sieht eine anachronistische Entwicklung, weil die verlogene Intergration der Zwangspsychiatrie in allgemeine Krankenhäuser ins Stocken geraten sei. Und dann kommt der Text ganz offen auf dem Punkt: Berichte über die gestiegenen Zwangseinweisungen, wie in der ARD-Sendung "W wie Wissen", sind es, die ihnen an die Nieren gegangen sind und die sie nun selber wegzuleugnen versuchen.

Auf einmal soviel Propaganda – da werden wieder ein Paar Schecks aus dem Pharma-Etat an eine Werbefirma geflossen sein. Aber das wird ihnen auch nichts nützen, wenn jetzt schon der "Spiegel" der letzten Woche am Ende der Titelgeschichte das Geschäft mit der überflüssigen Medizin berichtet, Zitat: "Im Frühjahr 2000 streikten in Israel Krankenhausärzte viele Wochen lang. Hunderttausende Untersuchungen fanden nicht statt, zehntausende Operationen wurden verschoben oder abgesagt. Die Notaufnahmen, Dialyseabteilungen, Krebsstationen und Abteilungen für Neonatalie und Geburtshilfe blieben geöffnet, ansonsten wurden die Menschen abgewiesen. Sie gingen häufer zu Familiendoktor oder blieben zu Hause. Wie eine Umfrage unter Israels größten Bestattungsunternehmen begab, hatte das Folgen: die Mortalität in fast allen Landesteilen sanken beträchtlich, es wurde seltener gestorben."


Gesendet am 08.09.2005 im Dissidentenfunk (www.dissidentenfunk.de)

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