Analyse I

Dass bei Folterungen die angebl. "Informationsgewinnung" nur eine vorgeschobene Rationalisierung ist, tatsächlich es jedoch um die Vernichtung, bzw. moderner, um die Kolonialisierung, des Subjekts mit Zwang und Gewalt geht, mit dieser Meinung ist Wolf-Dieter Narr nicht allein.
In einem exzellenten Artikel in der Frankfurter Rundschau vom 4. Januar erklärt der Autor Alfred Mc Coy "Die Logik der Folter". Den Vorwand angeblicher Informationsgewinnung überführt er mit einem schlagenden Beispiel der Lüge:

Während des gesamten Krieges gegen den Terror hat das FBI an seiner bewährten Methode vorschriftsmäßiger Vernehmungen festgehalten, die der kritischen Prüfung durch ein öffentliches Gerichtsverfahren standhalten können. In den Jahren vor dem 11. September führte die Bundespolizei sorgfältige Ermittlungen zu den Bombenanschlägen auf die Botschaften in Kenia und Tansania durch, baute in seinen nicht durch Zwang geprägten Verhören eine Beziehung zu den Verdächtigen auf, erhielt bis Mai 2001 genaue Informationen über Al Qaeda und erreichte die Verurteilung von vier Terroristen, die sich tatsächlich schuldig bekannten. Ein FBI Beamter, der an diesem Fall mitarbeitete, Dan Colemann, war entsetzt über die Zwangsmittel, die die Juristen der Regierung Bush der CIA nach dem 11. September genehmigten. "Haben diese Burschen je versucht, mit jemanden zu reden, dem man seine Kleider weggenommen hat?", fragt er und gab gleich selbst die Antwort, "er schämt sich, ist gedemütigt und friert. Er wird dir alles sagen , was du von ihm hören willst, nur um seine Kleider wieder zu bekommen. Das hat keinen Wert… Brutalität funktioniert nicht. Das wissen wir. Außerdem verlierst du dabei deine Seele."

Er zitiert den Rechtshistoriker John Langbein von der Yale University: "Die wichtigste Lektion der Geschichte ist, dass es nie möglich war, Zwang und Wahrheit vereinbar zu machen."

Wenn der Vorwand Informationsgewinnung also eine Lüge ist, dann steht bei Folter offensichtlich im Mittelpunkt, dass es eine Terror Technik des Geständniszwangs ist . Damit bildet die psychiatrische Terror Technik des Gefügig-Machens mit der Drogenkeule, um mit medizinischen Voodoo und blanker Gewalt das Subjekt zu kolonialisieren, das Zentrum moderner Folter.


Gesendet am 12.01.2006 im Dissidentenfunk (www.dissidentenfunk.de)

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