Interview Ursula Künning

Die Abwehr so verstandener Wunschkinder wird in der Abwertung der Motivation adoptionswilliger Eltern offenkundig. Wir führten dazu ein Telefoninterview mit Ursula Künning, diplomierter Sozialarbeiterin, die zu diesem Thema eine Doktorarbeit schreibt:

"Viele Eltern, die heute ein Kind adoptieren möchten, entwickeln den Wunsch zur Adoption, weil sie feststellen, dass einer der Partner, der medizinischen Diagnose nach, unfruchtbar ist. Das Paar muss mit dem Stigma der eigenen Unfruchtbarkeit und mit der Stigmatisierung mancher Adoptionsvermittlungsstellen leben, die ein unfruchtbares Paar als pathologischen Fall einstufen, die ihre Krankheit mit der Adoption aus egoistischen Gründen heilen wollen.

Diesen Eltern wird häufig mit Argwohn begegnet, da es gesellschaftlich kaum vorstellbar scheint, dass ein Kind in einee Adoptionsfamilie nicht nur ein Ersatzkind für das leibliche Kind darstellt und dass es nicht "wie ein", sondern "als ein" sog. "eigenes Kind" geliebt wird."

Wie Frau Künning sagt, es ist gesellschaftlich nahezu undenkbar, dass Adoptiveltern ihr Kind nicht "wie", sondern "als" ein sog. "eigenes Kind" lieben könnten. Ein angenommenes Kind kann nur als bloßes Ersatzkind gesehen werden. Das offenbart, in welchem Maße das Eltern/Kind-Verhältnis ideologisiert ist.


Gesendet am 09.03.2006 im Dissidentenfunk (www.dissidentenfunk.de)

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