Nachlese der Berichterstattung über den Protest gegen den WPA Kongress - Teil I

Allein die Ankündigung der Veranstaltung im Rathaus brachte am 24.5. die ersten Berichte in zwei großen Tageszeitung, der Leipziger Volkszeitung und den Dresdner Neueste Nachrichten.
Ich zitiere aus unserer Pressemitteilung:

Die Folterer sind in Sorge
Vom 6.-8. Juni soll in Dresden ein Weltkongress der Psychiatrie zum Thema Zwangsbehandlung stattfinden.
Wir meinen, dass psychiatrische Zwangsbehandlung menschenverachtende Folter ist.
Wir fordern die Veranstalter auf, den Kongress abzusagen. Teilnehmer, die schon ihre Anreise und Übernachtung gebucht haben, könnten stattdessen die touristischen Attraktionen von Dresden genießen.
Der Kongress ist von Übel, da ihm als Prämisse folterartiger Zwang und Gewalt in der Psychiatrie zugrunde liegen. Genau diese Prämisse bestreiten wir. Für diese Gewaltmaßnahmen kann es auch dann keine Entschuldigung geben, wenn behauptet wird, es handle sich um eine "medizinische" Behandlung, denn für eine solche müsste der Grundsatz des "informed consent", d.h. informierte Zustimmung, als unverletzliches Menschenrecht gelten.
Die unmittelbare Nähe von psychiatrischer Zwangsbehandlung und Folter ist also evident1.
Für die medizinisch maskierte psychiatrische Gewalt in Form von Einsperrung und Zwangsbehandlung bildet eine Schein"Diagnose" in psychiatrischem Jargon die Grundlage. Wir meinen, dass es sich dabei um eine Verleumdung handelt, insbesondere bei solchen Worten wie "Schizophrenie", der Erfindung eines gewissenlosen Eugen Bleulers, der inzwischen bekannt dafür geworden ist, dass er seriell ein typisches Naziverbrechen begangen hat: Zwangssterilisationen. Diese Zwangssterilisationen waren der Auftakt für die Singularität der deutschen Ärzteverbrechen: systematischer Massenmord in der Gaskammer, der die Vorlage für den Mord an den europäischen Juden, Sinti, Roma und Anderen war.
Niemand hat die völlige Inhaltsleere des psychiatrischen Jargons besser demonstriert als Gert Postel. Gert Postel wurde, obwohl nur ausgebildet zum Postboten, zum Chefarzt einer sächsischen Psychiatrie befördert. Durch seine verdeckten Ermittlungen kennt er den Machtapparat der Zwangspsychiatrie von innen. So kann er von der Innenseite einer Macht berichten, die nur auf der Mystifikation eines nicht-vorhandenen Wissens und der Gläubigkeit ihrer Untertanen beruht. Deshalb freuen wir uns sehr, dass wir ihn für eine Veranstaltung am 6. Juni um 19 Uhr im Dresdner Rathaus gewinnen konnten, in der er die Strukturen ihrer Machterhaltung ironisiert.

Um der interessierten Öffentlichkeit in Dresden eine breite Informationsmöglichkeit zu bieten, zeigen wir außerdem bei freiem Eintritt im Filmtheater Metropolis 6 Filme der Filmreihe Psychiatrie-Kritik:

Direkter Protest vor dem Kongressgebäude ist in Planung. Wir hoffen, dass den Teilnehmern des Kongresses rechtzeitig verständlich wird, das dieser Kongress von den Betroffenen unerwünscht ist. Er möge für die Veranstalter ein finanzielles Fiasko werden, wenn unsere Forderung einer Stornierung des Kongresses ignoriert werden sollte.

Von der Leipziger Volkszeitung um eine Stellungnahme gebeten, ließ der Organisator und Sprecher des WPA Kongresses Prof. Kallert, die Katze aus dem Sack und ließ verlautbaren:
"Natürlich sind Zwangsmaßnahmen in der Psychiatrie gerechtfertigt."
Damit hatte Prof. Kallert selbst entlarvt, dass die Einladung von „Kritikern“ der Zwangsbehandlung zu diesem Kongress nur ein hinterlistiges Ausweichmanöver war. Tatsächliches Ziel des Kongresses war jedoch nie, diese Zwangs- und Gewaltausübung durch die Psychiatrie in Frage zu stellen, sondern stattdessen, sich international darüber zu verständigen, wie die gewaltförmigen Methoden des Zwangs perfektioniert und vereinheitlicht werden können. Genau dieses Ziel kritisieren wir entschieden und fordern die konsequente Beendigung jeglichen psychiatrischen Zwangs - sei es 'Zwangsbehandlung', 'Zwangsbetreuung' oder auch 'nur' die unfreiwillige Etikettierung mit sogenannten psychiatrischen 'Diagnosen'.

Wir meinen, dass psychiatrische Zwangsbehandlung menschenverachtende Folter ist bzw. einer Folterbehandlung unmittelbar nahe kommt. Entsprechend der Antifolterkonvention der Vereinten Nationen erfüllt psychiatrische Zwangsbehandlung alle Kriterien für die Definition von Folter:

  1. Menschen wird großes körperliches und seelisches Leid zugefügt, durch Einsperrung oder zwangsweise Einrichtung einer Vormundschaft (sogenannte 'Betreuung'), durch die zwangsweise Vergabe von schädlichen Drogen (Psychopharmaka), Elektroschocks (sog. EKT), Fesselung (sog. 'Fixierung'), durch die Verleumdung als angeblich 'geistig krank', durch Entwürdigung und den Verlust ihrer Selbstbestimmung und nachhaltig durch die sozialen und körperlichen Spätfolgen der Zwangsbehandlung.
  2. Es handelt sich nicht nur um ein bloßes Quälen von Personen durch Andere, sondern es geschieht auf der Basis staatlicher Gesetze wie PsychKG und Betreuungsrecht und wird auch von „in amtlicher Eigenschaft handelnden Personen“ z.B. dem sozialpsychiatrischen Dienst, ausgeübt.
  3. Psychiatrische Zwangsbehandlung erfüllt auch insofern die Kriterien der UNO-Definition von Folter, da Menschen eingeschüchtert und genötigt werden bzw. ein Geständniszwang besteht, mit dem Ziel, sich 'krankheitseinsichtig' zu zeigen, damit die Betroffenen dauerhaft unter der Kontrolle und somit 'Kunden' der Psychiatrie bleiben und um das Verhalten und Denken von Menschen zu normieren. 
Psychiatrie ist damit ein Instrument von Herrschaft und sozialer Kontrolle. (Ausführliche Begründung für die unmittelbare Nähe von Zwangspsychiatrie und Folter: „Zwangspsychiatrie, ein Foltersystem“: www.iaapa.de/zwang2_dt/halmi.htm).

Gesendet am 14.06.2007 im Dissidentenfunk (www.dissidentenfunk.de)

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